Flora & Fauna

Die Kreuzkröte (Epidalea calamita) ist eine faszinierende Pionierart unter den Amphibien. Sie ist perfekt an dynamische, sich ständig verändernde Lebensräume angepasst, was sie in unserer modernen, „aufgeräumten“ Landschaft jedoch vor grosse Herausforderungen stellt.

Steckbrief: Merkmale und Verhalten

  • Aussehen: Mit 4 bis 7 cm Körperlänge ist sie deutlich kleiner als die Erdkröte. Ihr markantestes Merkmal ist die gelbe Längslinie, die mittig über den Rücken verläuft (das „Kreuz“). Die Haut ist warzig und oft oliv-bräunlich marmoriert.
  • Fortbewegung: Einzigartig ist ihr Laufstil. Wegen ihrer kurzen Hinterbeine hüpft sie kaum, sondern rennt flink über den Boden – das erinnert fast an eine Maus.
  • Stimme: Die Männchen besitzen eine grosse Kehlschallblase. Ihr ratternder Ruf („ärrr-ärrr-ärrr“) ist extrem laut und kann in ruhigen Nächten über zwei Kilometer weit gehört werden.
  • Fortpflanzung: Als Pionierart nutzt sie flache, sonnige Tümpel, die oft nur kurzzeitig existieren (z. B. Pfützen in Fahrspuren). Um ein Austrocknen des Gewässers zu „überholen“, haben ihre Larven die schnellste Entwicklungszeit aller heimischen Amphibien (teils nur 3 bis 6 Wochen).

Gefährdung in der Schweiz

In der Schweiz ist die Situation der Kreuzkröte kritisch. Sie wird auf der Roten Liste der Amphibien (Stand 2023) als „Stark gefährdet“ (EN) eingestuft.

Die Hauptgründe für den Rückgang:

  1. Verlust der Flussdynamik: Früher schufen Hochwasser in den Auen regelmässig neue, vegetationslose Tümpel. Durch Flussbegradigungen fehlen diese natürlichen Prozesse fast völlig.
  2. Abhängigkeit von Sekundärlebensräumen: Heute lebt die Kreuzkröte primär in Kiesgruben, Steinbrüchen oder auf Truppenübungsplätzen. Werden diese Gruben stillgelegt, rekultiviert oder zugeschüttet, verliert die Kröte ihren letzten Rückzugsort.
  3. Sukzession: Die Kreuzkröte braucht nackten Boden. Sobald ein Tümpel zu stark verkrautet oder verbuscht, wandert sie ab oder die Population bricht zusammen.
  4. Isolation: Die verbleibenden Populationen sind oft isoliert, was den genetischen Austausch verhindert.

Schutzmassnahmen

Um die Art in der Schweiz zu erhalten, setzen Organisationen wie die Atra Naturschutz auf gezielte Fördermassnahmen. Dazu gehört das künstliche Offenhalten von Pionierstandorten und das Anlegen von flachen, temporären Gewässern (z. B. Betonwannen oder abgedichtete Mulden), die regelmässig geleert werden können, um Fressfeinde wie Libellenlarven fernzuhalten.